Auch wenn in der heutigen Zeit fast so viele Computer wie Fernseher in den Haushalten stehen, besteht dennoch gegenwärtig eine gewisse Abneigung und Angst vor Computern. Diese Erfahrung habe ich in den letzten Wochen machen dürfen. Es ist nicht nur eine Frage des Alters. Wenn berufstätige Menschen noch nie das Internet gesehen haben, kann von einem schwerwiegenden Mangel gesprochen werden. Letztendlich beginnt der Job mit der Bewerbung. Ohne Computer also keine Bewerbung.
Viele der Verweigerer haben Angst etwas falsch zu machen, Angst dumm da zustehen, Angst allein gelassen zu werden. Die Abneigung richtet sich nicht gegen die Bedienung oder Usability. Sie zeigt sich viel mehr in der Scheu gegenüber des gesamten Systems.
Mein Opa gilt hier als Beispiel. Ich habe ihn nicht für einen Computer (Apple iMac) überzeugen können. Die vielen Argumente, Möglichkeiten für seine Kamera und Hilfsangebote für den Fall der Fälle halfen nichts. Leider wäre auch die Diskussion Windows vs. Mac ziemlich zwecklos gewesen (ich habe sie gleich gelassen).
Für ihn ist der Computer ein Gerät mit Bildschirm, Tastatur und Maus.
„Mit diesen Dingern habe ich mich doch schon damals auf der Arbeit rumplagen müssen.“, so mein Großvater zu mir, als ich ihm den Mac übergeben wollte.
Damals war vor 18 Jahren. Meine Erklärungen, dass die Dinger von damals nicht viel gemein mit einem Mac von heute haben, halfen nicht viel.
„Aber ein Handy kannst du doch auch bedienen.“ Die typischen Usability-Argumente, dass der Mac leichter als das komische Motorola Handy zu bedienen ist, fruchteten nicht. Ein Computer bleibt der blöde Kasten, da kann die Usability 100mal leichter als die vom Handy sein. Ein Beispiel dafür, dass gute Usability nicht für eine gute User Experience genügt.
Als ich ihm aber heute mein iPhone inklusive der Programme gezeigt habe, war die Begeisterung da.
Plötzlich wurde alles ausprobiert: Im Web gesurft, News gelesen, Bilder geschaut usw. Das Bedienkonzept mit Multitouch wurde nach kurzer Erklärung verstanden.
Dass das iPhone fast die gleichen Funktionen wie der „blöde Kasten“ beinhaltet, spielte kein Rolle.
Fest steht, dass das iPhone nicht den klassischen Aufbau mit Tastatur und Monitor hat.
Hinzu kommt, dass ein iPhone im Vergleich zum klassischen Computer andere Usability-Ansätze hat, die auch die entscheidenden Vorteile sein könnten:
1. Der Fokus liegt immer nur auf ein Programm. Es können nicht mehrere Programme gleichzeitig ausgeführt werden. So wird eine Ablenkung und Überladung vermieden. Abstürze werden so auch vermindert.
2. Aufbau, Inhalt und Funktionen sind auf das notwendigste reduziert
Meine Meinung: Mein Großvater gehört einer nicht kleinen Gruppe an, die Abneigungen gegenüber die „blöden Kästen“ haben, sich aber trotzdem für neue Geräte, wie das iPhone begeistern lassen. Die IT-Consumer-Industrie sollte dieses Potential erkennen und passende Produkte für diese Zielgruppe anbieten.
Heutige Betriebssysteme (Mac OS X oder Windows) sind deutlich überladen und bieten zu viele Funktionen, die der Normalverbraucher selten bis gar nicht benötigt.
Bitte schränkt die Funktionen ein und gestaltet die Benutzeroberfläche so minimal wie möglich. Aber auch Handyhersteller produzieren zu viele Handies mit zu vielen Funktionen, die kaum jemand benötigt. LG hat an die 20-30 Handies gleichzeitig auf dem Markt. Wer braucht so viele Handys? Die Modell- und Funktionsvielfalt verwirrt am Ende nur die Kunden (sogar die Mitarbeiter).
Der iPod oder das iPhone beweisen das Gegenteil, dass die Zurückhaltung und Beschränkung auf die wesentlichen Funktionen Erfolg bringen.
Wie wäre es endlich mit einem Apple Netbook mit iPhone OS 3.0 als Betriebssystem? Die Gemeinde wartet nun schon lange darauf.







1 Antwort bisher ↓
1 Christian Menschel - 2010 - cmenschel's blogmania » iPad: Endlich das Gerät für neue computerferne Zielgruppen?dd « // 28. 1. 2010 at 15:57
[...] und umständlich empfanden. Seine Oma gehöre dazu, mein Opa im Prinzip auch. Er machte die selben Erfahrungen wie ich: Das iPhone wird plötzlich von Menschen ohne Computererfahrung mit einer Leichtigkeit bedient, als [...]
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