Es ist der 30. April 2007, ein Tag, der eine Lawine von Gestaendnissen und Enttaeuschungen ausloesst.
Der ehemalige Radsport-Masseurs Jef D’hont, der von 1992-1996 dem Team Telekom angehoerte, redete im Spiegel Artikel vom 30. April Tacheles. Er spricht von einer Mafia im Radsport, in der sich jeder an die Spielregeln halten soll. Aerzte, Funktionaere und Sportler seien alle verwickelt im Sumpf des Dopings. Ein System, das von Sponsoren abhaengig ist und nur funktioniert, wenn alle schweigen. Dass der Spiegel Artikel so schnell eine Welle von Gestaendnissen in Gang setzt, hat den einen oder anderen Radsportfan in Deutschland sicherlich ueberrascht. Die Tatsache, dass Idole des Radsports fallen, ist seit dem “Fuentes Skandal” im Mai 2006 nicht neu. Ein Erik Zabel, der zusammen mit Rolf Aldag Doping in den 1990er Jahren einraeumte, galt eigentlich als vorbildlicher Fahrer. Die von der spanischen Polizei gestartete „Operation Puerto“ deckte ein systematisches Doping Netzwerk des Sportarztes Eufemiano Fuentes auf, in dem die bekannten Fahrer Ivan Basso, Jan Ullrich und 48 weitere Fahrer verwickelt sind.
Keiner der 50 Fahrer hat jemals ausgepackt. Lediglich Ivan Basso gab zu, Kunde des Arztes Funtes gewesen zu sein. Andere Namen die im Skandal verwickelt sind, hat er nicht genannt. Das System des Schweigens scheinte perfekt zu funktionieren.
Somit konnten sich die anderen Fahrer ruhig zuruecklehnen.
Nach dem Motto: Was keiner weiss, macht keinen Heiss.
Nun scheint aber klar zu sein, wie dumm das Volk verkauft wurde.
Jahrelang wurde systematisch gedopt.
Nicht nur einzelne Fahrer, sondern gesamte Mannschaften haben Dopingmassnahmen betrieben.
Bert Dietz, der in der ARD-Sendung “Beckmann” ausgepackt hat, spricht von einem indirekten Zwang.
«Sie haben es angeboten, aber natürlich in so einer Form, wo eigentlich jeder wusste, wenn ich es jetzt nicht nehme, bin ich wahrscheinlich am Jahresende mit so schlechten Ergebnissen in der Mannschaft, dass mein Vertrag nicht verlängert wird. Also, es war schon eindeutig eigentlich, ja.»
Ein verlogenes System, in dem Fahrer nur Marionetten und Figuren der Sponsoren sind.
Sponsoren bleiben solange der Erfolg im Sport und Fernsehen stimmt.
Doping wurde somit Alltag im Radsport, um Erfolg durch Manipulation zu erzielen.
Trotz der Skandale geht das taegliche Leben weiter.
Die ARD, die ueber Jahre selbst mit Jan Ullrich zusammen gewirkt hat, wird auch weiterhin Teil des Systems bleiben, indem sie die Tour de France, die Deutschland-Tour und die WM in Stuttgart uebertraegt,
auch wenn die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, dass die Sieger nicht ohne “besondere Mittel” auskommen werden. Ein Rolf Aldag bleibt weiterhin Teamchef vom Team T-Mobile, ein Bjarne Riis weiterhin Chef vom Team CSC. Das System bricht nicht einmal zusammen, obwohl es das Schweigen gebrochen hat. Mit solch einem Verlauf hat sicherlich nicht einmal Jef D’hont gerechnet, der die Welle der Enthuellungen
zum Rollen brachte.
Dass sich der Sport schon laengst zerstort hat, ist dabei aber schon lange sicher.
Skandale bestimmen die aktuellen Meldungen in den Medien seit einem Jahr.
Die Berichterstattungen des Radsports sind so marginal
geworden, dass bestimmt nur wenige wissen werden, wer aktuell bei der Giro D’Italia fuehrt. Hingegen wird fast jeder Zeitungslesende wissen, wer alles bei Team Telekom gedopt hat.
Eine wirkliche Veraenderung kommt nicht von heute auf morgen. Es dauert Jahre bis der Sport die Skandale der letzten Jahre verarbeitet haben wird.
Dazu muessen neue schaerfere Gesetze mit eindeutigeren Strafen geschaffen werden.
Das Fernsehen sollte sich zumindest fuer ein Jahr von LIVE Uebertragungen zurueck ziehen.
Sponsoren sollten ueber die Art und Weise eines Engagements nachdenken.
Nur so kann in Zukunft vermieden werden, dass nur die beste Apotheke gewinnt.
Ach ja: Aktuell fuehrt der Italiener Di Luca bei der Giro.




1 Antwort bisher ↓
Hallo Herr Menschel,
ich denke man darf bei der ganzen Angelegenheit nicht vergessen kritisch zu hinterfragen, warum die Fahrer bei der ganzen Sache mitmachen. Der viel zitierte Druck der Sponsoren ist doch im Grunde genommen bedingt durch die Ansicht unserer Gesellschaft, dass nur Sieger/Erfolg wirklich bewundernswert sind und dann auch dementsprechend im Rampenlicht stehen (einfaches Beispiel: Jan Ullrich/Jens Voigt). So begründet sich eben auch der enorme Leistungsdruck unter dem die Sportler stehen.
Nun aber die interessante Frage: Wer würde dann nicht doch evtl. zu einer Tablette greifen auch wenn er noch so viel trainiert hat – nur um seine Leistung abzusichern? Um das möglichste für den Erfolg zu tun? Oder gar um den ewigen Erzrivalen endlich mal zu schlagen?
Natürlich werden jetzt viele daherkommen und sagen: “Ich würde nie dopen”, was ja auch moralisch vollkommen korrekt und erstrebenswert ist. Aber richtig bewerten kann man eine solche Situation wohl nur, wenn man sie einmal selbst erlebt hat.
Ein Artikel, der diesen Aspekt gut erfasst findet sich hier…
http://www.spiegel.de/sport/achilles/0,1518,485292,00.html
Ich bin durch Zufall mal wieder auf cmenschel.de und dann auf dem Blog gelandet.
Viele Grüße nach Irland,
Andreas K.
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