cmenschel's blogmania

Roadtrip zu zweit

1. 5. 2007 · Kategorie: Irland

Roadtrip in Irland

Als wir wieder in der trostlosen Wohnung in Dundalk mit Blick auf parkende Autos übernachten mussten, dachten wir gern zurück, wie schön die Aussichten waren, die wir zu zweit auf unserem Roadtrip hatten.
Fangen wir doch am Anfang der Reise an:
Hingegen aller Klischees war das Wetter mit ca 20 Grad spitze. Wirklich viel wärmer wird es hier im Juli und August auch nicht.
Da dachten sich die Iren, dass man auch mal im April im Meer Baden kann.
baden
Dummerweise konnten wir am Dienstag, der 10.April, nicht wie geplant früh starten, da wir unser Gefährt erst 16 Uhr erhalten haben. Gegen Abend wollten wir in Killarney / Kerry sein, deswegen musste Tempo auf den Straßen gemacht werden.

20070413-DSC_9352So haben wir es geschafft 21:30 im B&B zu sein. Am Morgen gab es ein schön Irish / English Breakfast, das unser täglich Frühstück/Mittag für die nächsten Tage sein sollte. Was für die Rennradfahrer Nudeln und Bananen sind, waren für uns “Ham & Egg” + Würstchen, die Vicky nicht essen wollte, somit hatte ich umso mehr. Ich glaube, Vicky hat für nächsten Jahre genug “Ham & Egg” gegessen. Sie empfand es als sehr ungesund, womit sie natürlich nicht unrecht hat.
Danach ging es los in Richtung Nationalpart und Muckrosshaus. das von außen so unscheibar wirkt. Nachdem man eine Rundführung durch das Herrenhaus mit gemacht hat, erfährt man das Gegenteil.

20070411-DSC_9252
natur
Protzige Spiegel und Sofas, ein nur für “Queen Victoria” angerichteter Prunk-Raum, die gerade einmal dort für 3 Tage zu Besuch war. Anschließend war man Bankrott im Hause Muckross.
Nach einem netten Spaziergang durch den Nationalpark ging es weiter zum “Ring of Kerry” vorbei an Wasserfällen und an “Lady’s View”.

20070411-DSC_9131-1 20070411-DSC_9168
wasserfall
Dort kamen bei super Wetter Spanien Gefühle auf, als wir das Meer vor uns hatten.
meer - ring of kerry
Für mich war der “Ring of Kerry” und “Lady’s View” auch ein zweites Mal spitzemäßig.
Am Abend sind wir auf Empfehlung zum “Gap of Dunloe” gefahren. Es ist keine Klippe oder etwas ähnliches, sondern
ein Pass durch die Berge von Kerry. Neben frei herumlaufenden Ponies (wilde) und Schafen haben wir dort unser Abendessen vertilgt.
wild pferd wild pferd Weiter in Richtung Norden ging es am nächsten Tag.
Erste Station auf dem Weg nach Connemara war das “Bunratty Castle & Folk Park”. Ein altes, aber nachgestelltes, irisches Dort, dass den Touris die irische Lebensweise im 19. Jhd. näher bringen soll.
Man sagt dazu auch: “Disney Land Irlands”.
Beim ersten Besuch des Parks im Februar mit David und Kilian war dieser noch nicht stark besucht. Diesmal sah alles anders aus:
Amis & Deutsche prägten die Tourilandschaft.
Anschließen ging es immer weiter nach Norden Richtung “Cliff’s of Moher”. Auch hier war der Andrang deutlich stärker als im Februar. Meine Vicky war leicht lebensmüde und hat mich dazu gebracht, über die Brüstung zu steigen. Dahinter ging es 200 Meter in die Tiefe. Natürlich wurde uns eine super Aussicht geboten. Jetzt war ich 3x an den Klippen und habe mich jedes Mal mehr heran getastet. Von nun an soll es auch reichen.
Da die Zeit knapp war und wir nicht zu spät in Connemara ankommen wollten, musste wieder Tempo gegeben werden, was auf Irlands Straßen abenteuerlich ist, wenn man überall die Kreuze am Straßenrand sieht. Hinter Galway beginnt die Landschaft, wie man Irland aus der Literatur kennt.
Einsam, meilenweit kein Haus, keine Autos, Berge, die im Abendlicht goldbraun leuchten: Connemara.

20070412-DSC_9310 20070413-DSC_9361

connemara
Eine eigenartige Natur. Verlassen ist die Gegend, weil der Boden unfruchtbar ist. Über diese Landschaft liest man, dass sie aufgrund der Stille und der Unberührtheit ein Neuanfang für Aussteiger der deutschen 68 – Gesellschaft war. Deutsche Namen tauchten tatsächlich auf.Heinrich Böll, der hier mehrere Monate lebte, machte mit seinem Werk “Irisches Tagebuch (1957)” den Anfang der deutschen Auswanderungen.
Übernachtet wurde in einem ca. 30 qm großen B&B Zimmer mit Blick auf den Atlantik. Daran denkt man gern, wenn man sonst auf Parkplätze schaut.
Wieder gab es “Ham & Egg” als Stärkung. Diesmal aber mit Blick zum Atlantik.
Immer noch bei schönem Wetter fuhren wir über die Skyroad zum Connemara Nationalpark zum Connemara Nation Park.
Dort hatte man die Möglichkeit eine Wanderung über die seltsamen Bergen zu machen, was wir auch gleich gemacht haben. Der Anstieg wurde mit einem super Blick über die umliegende Landschaft belohnt. Optisch hatte man das Gefühl, als wäre man einen 4000er in Nepal aufgestiegen.
blick1 blick220070413-DSC_9344
berg
Auf dem Berg, gerade einmal 400 Meter hoch, wuchs keine Pflanze, die höher als 20cm war.
Gegen Mittag sind wir in Richtung Sligo aufgebrochen, wo wir schließlich gegen frühen Abend ankamen.
Sligo selbst haben wir nicht gesehen, aber dafür den schönen Strand, wo noch 21 Uhr gut gesurft wurde (Wir aber nicht). Die Wellen waren gute Beachbreaks.
Unser B&B war wieder eine größere Ausgabe: 2x Kingsize-Bett und ein Bad, das die doppelte Größe meines Zimmers hier in Dundalk hat.
Der nächste Morgen: Täglich grüßt das Murmeltier mit “Ham & Egg”.
Nach dem Essen sind wir sofort nach Nordirland aufgebrochen. Da Bushmills auf dem Weg lag, haben wir die älteste Whiskey – Destillerie gleich mitgenommen. Nach der Rundführung gab es einen 12-Jährigen Bushmills zum Genießen. Der schönen Küstenstraßen entlang ging es zum “Giant’s Causeway”, der einzigartigen Stelzenlandschaft, die einer Sage nach von Riesen als Weg nach Schottland gedacht war.
causeway20070414-DSC_9452 20070414-DSC_9437
Schottland ist gerade einmal 20 Miles Luftlinie vom “Giant’s Causeway” entfernt. Nachdem wir dort eine ganze Weile gegessen und die Sonne genossen haben, haben wir unser nächstes B&B gesucht, was eine Weile dauern sollte. Einsam an der Küste, 8 Miles vom nächsten Dorf entfernt, bestimmt 10x so viele Schafe wie Einwohner: Das war dann unser letztes B&B der Rundfahrt. So stellt man sich Irland vor, wenn man in der Literatur über Irland samt seiner Einsamkeit, grünen Wiesen und Schafwirtschaft liest.

Belfast - Civil War marks 20070415-DSC_9470
nordirland
Auch am letzten B&B Morgen gab es: “Ham & Egg”.
An diesem Tag haben wir die Natur leider verlassen, da der Roadtrip weiter nach Belfast ging.
Man hat schon viel gehört und gelesen über den Bürgerkrieg und die damit verbundene Unterdrückung der Republikaner durch die Briten.
Aber das Bild, das wir dann vor unseren Augen hatten, als wir in Belfast einfuhren, war erschütternd.
Mehrere ausgebrannte und verlassene Häuser und riesige NATO-Zäune prägten das Stadtbild im Norden Belfasts.
So erschreckend habe ich mir die Lage in der heutigen Zeit nicht mehr vorgestellt. Mir wurde gesagt, dass die Britische Armee erst vor wenigen Jahren die Grenzen Nordirlands und Belfast verlassen haben. Als wir dann schließlich durch die berüchtigten Arbeiterviertel um Shankill und Falls Road gefahren sind, bekamen wir den Anblick, der zu Kriegszeiten nicht schlimmer gewesen sein konnte: Zäune, die 10 Meter in die Höhe ragen, eine dicke Mauer, die auch ironischerweise “Peaceline” genannt wird, zwischen den katholischen (Falls Road) und protestantischen (Shankill Road) Vierteln, herumfliegender Müll, ausgebrannte Autos, Patronenhülsen, eingefallene Backsteinhäuser. Die Verbindungsstraße, die beide Viertel zusammenführt, gleicht mit ihren verschließbaren Stahltoren einer Festung. Der irische Konflikt ist hier immer noch deutlich erkennbar. Katholische (Falls Road Taxi Association) und Protestantische Taxis bleiben in ihrem Revier, da die Überfahrt in das andere Viertel zu gefährlich ist. Vielleicht hatten wir auch etwas Glück als wir mit dem Auto samt republikanischen Kennzeichen durch die Shankill Road gefahren sind.
Alles erweckt den Eindruck, als ob die Vergangenheit immer noch allgegenwärtig ist.
Historisch gesehen ist die Fahrt an die “Front” interessant, jedoch grenzt es stark an Kriegstourismus.
Wer mehr erfahren möchte, der sollte diesen Artikel der Zeit lesen:
http://www.zeit.de/2003/05/Belfast_neu

belfastbelfast2 belfast3Am Abend haben wir Dundalk erreicht. Jetzt waren wir zurück in der Wohnung mit Blick auf dem Parkplatz.

Dublin prison

Am nächsten Tag sollte es nochmal nach Dublin gehen, um das Gefängnis zu besichtigen.
Auch hier läuft es einem kalt den Rücken runter, wenn man sieht, wie die Iren im 19. Jhd. wegen Bettelei eingesperrt wurden. Dass zwischen 1845-1849 ca. 1,5 Mio. Einwohner wegen der Hungersnot gestorben sind und die Leute somit zum Betteln gezwungen waren, schien der Besatzermacht Großbritannien wenig zu interessieren.
Abschließend lässt sich sagen, dass wir eine spitzen Rundfahrt, besonders zu zweit, mit Natur und Stadt erlebt haben. Erschreckend waren die Kriegsspuren, die unseren Augen in Belfast geboten wurden.
Die letzten drei Tage haben wir in Dundalk entspannt. Einfach schade, dass Vicky am Donnerstag wieder fliegen musste.


Trackback URL für diesen Post: http://www.cmenschel.de/roadtrip-zu-zweit/trackback

Ähnliche Beiträge bei cmenschel's blogmania

  • » Empfehlung: Ein Auslandssemester an der DKIT in Dundalk (Irland)
  • » Guinness im deutsch-irischen Pub
  • » Éire - Slán agat
  • » Abschluss-Reise
  • » Arbeit unter Aufsicht
  • 0 Antworten bisher ↓

    • Bisher wurden noch keine Kommentare geschrieben. Sei der erste Autor!

    Schreibe einen Kommentar!